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TISAX für IT-Dienstleister & SaaS-Anbieter
Warum IT-Dienstleister TISAX brauchen: Scope-Definition, Cloud-Anforderungen und der Weg in die Automotive-Lieferkette.
Warum IT-Dienstleister und SaaS-Anbieter TISAX brauchen
TISAX ist längst nicht mehr nur für klassische Zulieferer relevant. Die Digitalisierung der Automobilindustrie hat dazu geführt, dass IT-Dienstleister, SaaS-Anbieter und Cloud-Provider zunehmend in die Lieferkette eingebunden sind — und damit unter die TISAX-Anforderungen fallen. Wenn du Software, IT-Services oder Cloud-Infrastruktur für OEMs oder Tier-1-Zulieferer bereitstellst, wirst du früher oder später nach einem TISAX-Label gefragt.
Der Treiber ist die OEM-Anforderung: Immer mehr Automobilhersteller verlangen von allen Partnern in der Lieferkette — nicht nur von den Teilelieferanten, sondern auch von den IT-Partnern — ein TISAX-Label. Ohne Label kein Auftrag, kein Zugang zum ENX-Portal und keine Sichtbarkeit als vertrauenswürdiger Partner.
Scope-Definition für IT-Dienstleister
Die Scope-Definition ist für Dienstleister besonders wichtig — und oft kniffliger als für klassische Zulieferer. Der Scope muss klar abgrenzen, was geprüft wird und was nicht.
Was typischerweise in Scope fällt
- Systeme: Alle IT-Systeme, die OEM-Daten verarbeiten, speichern oder übertragen — Produktionsserver, Datenbanken, Backup-Systeme, CI/CD-Pipelines
- Daten: Alle Informationen, die von oder für OEMs verarbeitet werden — Kundendaten, Produktionsdaten, Personaldaten, Konfigurationsdaten
- Personal: Alle Mitarbeiter mit Zugang zu OEM-Daten oder den Systemen, die sie verarbeiten — Entwickler, Admins, Support-Mitarbeiter, Projektmanager
- Standorte: Alle Standorte, an denen OEM-Daten verarbeitet werden — Büros, Rechenzentren, Home-Office-Arbeitsplätze (bei Remote-Arbeit)
Was typischerweise nicht in Scope fällt
- Systeme und Prozesse, die ausschließlich für Nicht-Automotive- Kunden betrieben werden (sofern sie vollständig getrennt sind)
- Interne Unternehmensprozesse ohne Berührung mit OEM-Daten (Marketing, Buchhaltung, eigene HR)
- Standorte ohne OEM-Datenbezug (reine Verwaltungsstandorte)
Achtung: Die Abgrenzung muss sauber dokumentiert und dem Auditor nachvollziehbar dargelegt werden. Ein zu enger Scope wird vom Auditor hinterfragt, ein zu breiter Scope treibt die Kosten unnötig hoch.
Cloud- und SaaS-spezifische Anforderungen
Multi-Tenant-Architektur
SaaS-Anbieter mit Multi-Tenant-Architektur stehen vor besonderen Herausforderungen: Wie stellst du sicher, dass OEM-Daten von anderen Mandanten isoliert sind? Der Auditor prüft: logische Datentrennung, Tenant-Isolation auf Datenbank- und Anwendungsebene, Zugriffskontrolle zwischen Mandanten und die Nachweisbarkeit der Isolation.
Bei Multi-Tenant-Systemen kann der Scope auf den spezifischen Mandanten des OEM beschränkt werden — sofern die Isolation nachweisbar ist. Ohne nachweisbare Isolation fällt die gesamte Plattform in Scope.
Dedicated Environments
Dedicated Environments (eigene Server, eigene Datenbank-Instanz, eigenes Netzwerk-Segment für den OEM) vereinfachen die Scope-Abgrenzung erheblich. Der Auditor muss nur die dedizierte Umgebung prüfen, nicht die gesamte Plattform. Nachteil: höhere Betriebskosten und komplexere Infrastruktur.
Standort der Rechenzentren
Der Standort der Rechenzentren ist für TISAX relevant: OEM-Daten sollten in der EU/EWR verarbeitet werden. Rechenzentren in Drittländern (insbesondere USA) erfordern zusätzliche Schutzmaßnahmen und Rechtsgrundlagen (z. B. EU-US Data Privacy Framework, Standardvertragsklauseln). Einige OEMs verlangen explizit Rechenzentren in Deutschland oder der EU.
TISAX als Wettbewerbsvorteil
Ein TISAX-Label ist nicht nur eine Pflichterfüllung, sondern ein strategischer Marktvorteil. Die Automobilindustrie ist einer der größten IT-Märkte in Europa. Mit einem TISAX-Label öffnest du dir den Zugang zu einem Markt, der für viele Wettbewerber verschlossen bleibt:
- Zugang zur Automotive-Lieferkette: Ohne TISAX-Label wirst du in Ausschreibungen der OEMs nicht berücksichtigt
- Vertrauenssignal: Ein TISAX-Label zeigt, dass du die strengen Sicherheitsanforderungen der Automobilindustrie erfüllst — das schafft Vertrauen auch bei Nicht-Automotive-Kunden
- Differenzierung: Viele IT-Dienstleister haben noch kein TISAX-Label. Wer früh investiert, hat einen Vorsprung gegenüber Wettbewerbern
- Cross-Selling-Potenzial: Mit einem TISAX-Label kannst du bestehende Automotive-Kunden für weitere Services gewinnen, die TISAX erfordern
Typische Timeline für IT-Dienstleister
IT-Dienstleister haben gegenüber klassischen Zulieferern einen Vorteil: IT-Sicherheitsmaßnahmen sind meist schon vorhanden. Verschlüsselung, Zugangssteuerung, Monitoring und Patch-Management sind im IT-Tagesgeschäft Standard. Dadurch ist die Timeline oft kürzer als bei produzierenden Unternehmen.
| Phase | Dauer (IT-Dienstleister) |
|---|---|
| Scope und Registrierung | 1-2 Wochen |
| Gap-Analyse | 1-2 Wochen |
| Delta-Umsetzung (Policies, Dokumentation, Schulungen) | 4-8 Wochen |
| Self-Assessment und Audit | 2-3 Wochen |
| Gesamt | 2-4 Monate |
Mit einem bestehenden ISMS (z. B. ISO 27001) reduziert sich der Aufwand auf 6-10 Wochen. Detaillierte Kostenaufstellungen findest du auf unserer Seite zu TISAX Kosten und Ablauf.
Typische Labels für IT-Dienstleister
Die meisten IT-Dienstleister benötigen folgende Labels:
- Info hoch (AL2): Standard für alle Dienstleister, die vertrauliche OEM-Daten verarbeiten
- Datenschutz (AL2): Bei Auftragsverarbeitung personenbezogener Daten für OEMs
- Verfügbarkeit hoch (AL2): Bei produktionskritischen IT-Systemen und Cloud-Diensten
AL3-Labels sind für IT-Dienstleister selten erforderlich, es sei denn, du verarbeitest besondere Kategorien personenbezogener Daten oder hast direkten Zugang zu Prototypendaten. Für die Scope-Festlegung informiere dich über die Assessment Levels.
Die vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung zur TISAX-Vorbereitung findest du in unserer TISAX-Checkliste.
Als IT-Dienstleister in die Automotive-Lieferkette
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