Branchengenauer Self-Check

Ist mein TK-Betrieb von NIS2 betroffen?

TK-Pizzeria, TK-Fleisch, TK-Gemüse, TK-Feinkost: Klarer Sektor, klare Schwellen. Dieser Rechner prüft beides.

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Produktions- und Vertriebsstruktur

NIS2 zielt auf 'industrielle Produktion' — EU-Begriff, nicht Handwerksrolle. Kreuze an, was auf deinen Betrieb zutrifft.

Tiefkühlkost: Der vollständige NIS2-Leitfaden

Hersteller und Distributoren von Tiefkühlkost sind nach NIS2-Anhang II Nr. 5 (Ernährung) betroffen, wenn sie 50 Mitarbeitende oder 10 Mio. EUR Jahresumsatz überschreiten. Die gesamte Wertschöpfungskette in der Tiefkühlbranche hängt an IT: von der Produktionssteuerung bis zum Kühlketten-Monitoring. Ein IT-Ausfall kann innerhalb von Stunden zu Millionenschäden durch verderbliche Ware führen. Dieser Leitfaden richtet sich an Betriebsleiter und IT-Verantwortliche in der Tiefkühlbranche.

Wer ist betroffen?

Tiefkühlkost-Hersteller (NACE C.10.8 Sonstige Nahrungsmittel) und Tiefkühl-Logistiker fallen unter NIS2-Anhang II Nr. 5 bei Überschreitung der KMU-Schwellen: mindestens 50 Mitarbeitende oder mindestens 10 Mio. EUR Jahresumsatz (EU-Empfehlung 2003/361/EG Art. 2).

Wer als nationaler oder europäischer Tiefkühlkost-Anbieter die KRITIS-Schwelle der BSI-KritisV für Lebensmittelversorgung überschreitet, ist Wesentliche Einrichtung nach Anhang I.

Ein Tiefkühlkost-Hersteller mit 100 Mitarbeitenden, vollautomatischer Schockfrostanlage und eigenem Tiefkühllogistik-Fuhrpark überschreitet die NIS2-Schwellen und ist Wichtige Einrichtung.

Die Pflichten nach § 30 BSIG-neu

§ 30 BSIG-neu listet sieben Pflichtbereiche, die für Tiefkühlkost-Betriebe besonders durch die Abhängigkeit vom Kühlketten-Monitoring geprägt sind:

  1. Risikoanalyse und -management: Produktionssteuerung, Schockfrostanlagen, Tiefkühllagerverwaltung und Kühlfahrzeug-Telematik müssen in die Risikoanalyse einbezogen werden.
  2. Incident Handling: Ein Temperaturabweichungs-Event durch IT-Ausfall ist ein potenziell meldepflichtiger Vorfall, der sofortige Reaktion erfordert.
  3. Business Continuity: Ein BCP muss den "Worst Case Kühlkettenausfall" abdecken: Was passiert, wenn das Kühlmonitoring um 2 Uhr nachts ausfällt?
  4. Supply-Chain-Sicherheit: Rohstofflieferanten, Verpackungslieferanten und Telematik-Anbieter für Kühlfahrzeuge müssen auf Sicherheitsstandards geprüft werden.
  5. Zugangskontrolle und MFA: Zugang zu Monitoring-Plattformen und Produktionssystemen muss durch MFA geschützt sein. Remote-Alarme und Management-Dashboards sind besonders zu sichern.
  6. Verschlüsselung: Kühlkettenprotokolle (gesetzlich vorgeschrieben nach EU-Lebensmittelhygiene-VO), Kundendaten und Produktionsdaten müssen verschlüsselt sein.
  7. Schulung und Awareness: Schichtführer, Logistikdisponenten und IT-Mitarbeitende müssen regelmäßig geschult werden.

Fristen und Meldepflichten

BSI-Registrierung nach § 33 BSIG-neu binnen drei Monaten. Für Sicherheitsvorfälle nach § 32 BSIG-neu: Erstmeldung 24 Stunden, vollständige Meldung 72 Stunden, Abschlussbericht 30 Tage.

Ein Cyberangriff, der das zentrale Kühlketten-Monitoring für mehrere Stunden außer Betrieb setzt und dadurch erhebliche Lagermengen gefährdet, ist ein meldepflichtiger erheblicher Vorfall. Auch der reine IT-Vorfall ohne nachgewiesenen Produktschaden ist zu melden, wenn Versorgungssicherheit beeinträchtigt ist.

Bußgelder und persönliche Haftung

Wichtige Einrichtung (Anhang II): bis 7 Mio. EUR oder 1,4 % Umsatz. Wesentliche Einrichtung (Anhang I): bis 10 Mio. EUR oder 2 % Umsatz.

§ 38 BSIG-neu: Persönliche Haftung der Geschäftsleitung. In der Tiefkühlbranche ist das besonders ernst zu nehmen, weil ein IT-bedingter Kühlkettenausfall nicht nur NIS2-Bußgelder, sondern auch lebensmittelrechtliche Sanktionen und erhebliche Versicherungsschäden nach sich zieht.

Kühlketten-Monitoring als NIS2-kritischer Prozess: Sensor-Infrastruktur absichern

Das Kühlketten-Monitoring in Tiefkühlbetrieben ist vollständig IT-abhängig: Temperatursensoren in Lagerzellen, Schockfrosttunneln und Kühlfahrzeugen übertragen Daten in Echtzeit an zentrale Management-Plattformen. Diese Plattformen steuern Alarme, Wartungsaufgaben und Qualitätsnachweise.

Das Risikoszenario: Ein Angreifer kompromittiert die Monitoring-Plattform über einen gestohlenen Anmeldezugang. Er manipuliert Alarmschwellen oder unterdrückt Benachrichtigungen. Kühlzellen steigen auf kritische Temperaturen an - ohne dass Alarm ausgelöst wird. Wenn das nach 6 Stunden bemerkt wird, ist ein ganzes Tiefkühllager vernichtet.

Was § 30 BSIG-neu konkret verlangt: Redundante Alarmpfade (SMS + App + physikalischer Alarm vor Ort), keine alleinige Cloud-Abhängigkeit für kritische Alarme, starke Authentifizierung für Monitoring-Plattformen und regelmäßige Alarm-Tests. Die Sensor-Infrastruktur selbst muss in die Netzwerksicherheitsarchitektur einbezogen sein.

Erste Schritte

  1. Kläre Mitarbeiterzahl und Umsatz gegen die KMU-Schwellen.
  2. Inventarisiere alle Systeme, die mit der Kühlkette verbunden sind: Temperatursensoren, Monitoring-Plattform, Kühlfahrzeug-Telematik, Lagerverwaltungssystem.
  3. Prüfe: Gibt es redundante Alarmpfade für Temperaturabweichungen? Wird getestet?
  4. Identifiziere alle externen Zugänge (Monitoring-Plattform-Anbieter, Wartungszugänge).
  5. Erstelle einen Notfallplan für Kühlketten-Monitoring-Ausfall um 3 Uhr nachts.
  6. Prüfe Lieferantenverträge (Sensor-Hersteller, Telematik-Anbieter) auf Sicherheitsklauseln.
  7. Registriere dich beim BSI.

Typische Fehler vermeiden

Monitoring-Plattform ohne MFA: Viele Tiefkühlbetriebe verwenden Cloud-basierte Monitoring-Plattformen mit einfachem Passwort-Login. Das ist unter NIS2 nicht ausreichend.

Kein redundanter Alarmpfad: Wenn Temperaturalarme nur über die Cloud-Plattform ausgegeben werden und diese ausfällt, gibt es keinen Alarm mehr. Das ist ein kritischer Single-Point-of-Failure.

Kühlketten-Dokumentation nicht als IT-Schutzziel erkannt: EU-Lebensmittelhygieneverordnung 852/2004 verlangt Temperaturprotokolle. Deren Verlust durch IT-Angriff ist ein lebensmittelrechtliches Compliance-Problem.

Fahrzeugtelematik nicht in der Risikoanalyse: Kühlfahrzeug-Telematik ist oft über öffentliche Mobilfunknetze verbunden. Angriffe über diese Verbindungen sind realistisch und müssen bewertet werden.

Nutze den branchengenauen NIS2-Rechner für Tiefkühlkost, um deine Betroffenheit zu bestimmen.

Inhaltlich verantwortlich

Julian Köhn

Founder & CEO, Kopexa

Julian Köhn ist Gründer und CEO von Kopexa. Seit 10+ Jahren entwickelt er Sicherheits- und Compliance-Lösungen für den europäischen Mittelstand. Fokus: NIS2, ISO 27001, DSGVO, TISAX. Kopexa wurde gegründet, um GRC für KMU transparent und self-service-fähig zu machen.

Fachlich geprüft

Kopexa GRC Team

Subject Matter Experts — NIS2, ISO 27001, KRITIS

Das Kopexa GRC-Team besteht aus Sicherheits- und Compliance-Experten mit Zertifizierungen in ISO 27001, CISA, CRISC. Das Team entwickelt die Framework-Mappings und validiert Inhalte zu NIS2, KRITIS und branchenspezifischen Anforderungen.

Zuletzt aktualisiert: 2026-04-17

Häufig gestellte Fragen

Branchenspezifische Antworten zu NIS2-Pflichten, Schwellenwerten und Sanktionen.