ISO/IEC 27090: KI-Sicherheitsrisiken im ISMS einordnen

Was ISO/IEC 27090 für KI-Sicherheit bedeutet und wie du Risiken von KI-Anwendungen, Lieferanten und Daten im bestehenden ISMS behandelst.

Julian Köhn
|Lesezeit: 3 Minuten

Dein Team bindet einen KI-Assistenten an interne Dokumente an. Der Einkauf kennt den Anbieter, die IT betreibt die Anbindung und der Fachbereich möchte produktiver arbeiten. Wer prüft, ob manipulierte Dokumente den Assistenten zu unerwünschten Aktionen bewegen können? Und wer entscheidet, welche Informationen er überhaupt lesen darf?

Für solche Fragen braucht es eine gemeinsame Risikobetrachtung. Eine neue Norm allein beantwortet sie nicht für eure konkrete Anwendung.

Was ist ISO/IEC 27090?

ISO/IEC 27090 bietet Orientierung zu Sicherheitsbedrohungen gegen KI-Systeme, etwa manipulierten Trainingsdaten und Modelldiebstahl. Sie ergänzt bestehende Informationssicherheitspraktiken.

Stand 12. Oktober 2026: Die offizielle ISO-Seite zeigt „Under publication“, Stufe 60.00. Die Veröffentlichung ist damit noch nicht als abgeschlossen ausgewiesen. Vor Anwendung sollte die endgültige Ausgabe geprüft werden.

Wie passt das zu ISO 27001 und ISO 42001?

ISO 27001 beschreibt Anforderungen an ein ISMS. ISO 42001 behandelt das Management von KI. ISO 27090 konzentriert sich auf die Sicherheit von KI-Systemen und bietet einen Leitfaden, keine Anforderungen an ein KI-Managementsystem. Diese Abgrenzung erläutert ISO selbst.

Ein praktisches Beispiel: der interne Wissensassistent

Das folgende Szenario ist ein eigenes, fiktives Beispiel und keine Vorgabe der Norm: Ein Wissensassistent liest Dokumente aus einem gemeinsamen Ordner und kann Aufgaben erstellen. Eine Person stellt dort eine manipulierte Datei bereit. Der Assistent interpretiert deren Inhalt als Handlungsanweisung statt als zu prüfende Quelle.

Eine brauchbare Risikobeschreibung lautet: „Manipulierte Quelldokumente veranlassen den Assistenten, vertrauliche Inhalte in eine für andere Teams sichtbare Aufgabe zu übernehmen.“ Damit werden Auslöser, unerwünschtes Verhalten und mögliche Auswirkung greifbar.

Unsere Empfehlung: Dokumentiere bestehende Zugriffsbeschränkungen, bewerte das konkrete Szenario und vereinbare zusätzliche Maßnahmen. Denkbar sind engere Datenzugriffe, eine menschliche Bestätigung vor schreibenden Aktionen und Tests mit manipulierten Dokumenten. Welche Maßnahmen passen, hängt von eurem System ab; eine Checkliste ersetzt diese Prüfung nicht.

Von einer Feststellung zu einer überprüfbaren Aufgabe

Ein Risikoeintrag „KI könnte unsicher sein“ hilft niemandem bei der Umsetzung. Hilfreicher ist ein Arbeitsauftrag mit einem Ergebnis:

  • Aufgabe: Schreibende Aktionen des Wissensassistenten begrenzen.
  • Verantwortlich: Betriebsteam zusammen mit dem Fachbereich.
  • Nachweis: Dokumentierter Test, bei dem ein manipuliertes Quelldokument keine unbestätigte Aktion auslöst.
  • Nächste Prüfung: Nach Änderungen an Berechtigungen, Anbindung oder Modell.

Bewerte das Restrisiko nach Umsetzung und Überprüfung erneut. Eine geplante Maßnahme senkt das tatsächliche Risiko noch nicht.

Den Anbieter in dieselbe Bewertung einbeziehen

Bei einem externen KI-Dienst gehören eure Fragen auch in die Lieferantenbewertung. Zum Beispiel: Welche Daten gelangen an den Anbieter? Welche vertraglichen und technischen Grenzen gelten für deren Nutzung? Wie erfahrt ihr von Änderungen, und welche Nachweise könnt ihr prüfen?

Verknüpfe die Antworten mit dem konkreten Risiko und den offenen Aufgaben. So verschwinden ungeklärte Punkte nicht zwischen Einkauf, IT und Fachbereich.

Mit einer ISMS-Software und einem gemeinsamen Risikoregister könnt ihr diese Arbeit zusammenführen. Entscheidend ist die nachvollziehbare Verbindung zwischen Anwendung, Risiko, Zuständigkeit und überprüfter Maßnahme – nicht ein weiteres Dokument mit einem Normtitel.

Quellen

  1. ISO/IEC 27090 – offizieller Veröffentlichungsstand [Abgerufen am ]
  2. ISO/IEC 27090 explained [Abgerufen am ]